Kopf vs Herz – Die Sache mit dem Weiterreisen…

von | Feb 6, 2017 | Mindset, Reisen | 0 Kommentare

Meer

Wenn ich morgens die Augen öffne, finde ich Demian neben mir auf dem Bett vor – aufrecht sitzend und noch total verschlafen. Aber wach. Viel zu früh für unseren Geschmack. Aber noch habe ich keinen Weg gefunden, meinem 14-Monate alten Sohn näher zu bringen, dass Schlafen etwas Tolles ist. Und solange das so ist, beginnt unser Tag kurz nach dem Sonnenaufgang und mit dem Krähen des Hahns, der hier irgendwo ganz neben unseres Bungalows zu hausen scheint. Er hört sich definitiv fitter an als ich mich fühle.
Steffen wird auch schnell wach, dafür sorgen wir schon – Familienbett sei Dank. Und für uns Drei beginnt ein neuer Tag hier auf Koh Samui.

Seit 2 Wochen sind wir schon auf der Insel, auf der wir ursprünglich nur wenige Tage verbringen wollten. Hach, wieso lernen wir denn nicht aus der Vergangenheit und malen uns nach wie vor aus, wie lange wir irgendwo bleiben wollen? Totale Zeitverschwendung.. Denn die Male, in denen wir das eingehalten haben, was wir uns vorgenommen haben, können wir glatt an einer Hand abzählen. Der Grund für unsere Überlegungen ist simpel: Koh Samui kennen wir schon. Hier waren wir mehrere Wochen auf unserer ersten Weltreise vor drei Jahren, haben hier geheiratet und waren wirklich viel auf der Insel unterwegs. Also Haken dahinter und gut ist?!

Freiheit nutzen. Sich Zeit geben. Genießen.

Nach 3 Tagen auf Koh Samui verlängerten wir unseren Aufenthalt. So viele schöne Erinnerungen kamen hoch und wir fühlten uns auf Koh Samui in Handumdrehen wieder so wohl wie damals. Wo immer wir auf unserem Roller vorbeifuhren, hieß es ununterbrochen „Oh schau mal, der Laden ist ja immer noch da“, und „Hier waren wir auch, weisst du noch?“. Hier zu sein ist eine Reise in die nicht allzu weit entfernte Vergangenheit und diesmal haben wir unseren Sohn dabei, was das Ganze nur noch schöner macht. Das Produkt der Liebe, sozusagen, die hier zwar nicht ihre Anfänge hatte (dafür müssten wir noch weitere 10 Jahre zurückgehen), aber mit unserem Ja-Wort definitiv ein Highlight erlebt hatte.

Schnell war uns klar, dass wir nicht wie geplant abreisen möchten. Neben vielen Plätzen, die wir schon kannten, fanden wir neue. Wir entdeckten die Insel wieder ein Stückchen mehr. Wie konnten wir jemals denken, dass wir sie schon so gut kennen, dass sich ein längerer Besuch nicht mehr lohnt? Es geht nicht immer nur um Sightseeing und irgendwelche atemberaubenden Aussichten. Viel öfter sind es die Menschen, die einen Ort besonders machen. Wie die liebe Dame im Café, in dem wir hier oft frühstücken sind. Sie ist so vernarrt in Demian, wie ich es noch bei keinem fremden Menschen erlebt habe. Es ist eine Freude, den Zwei beim Spielen zuzugucken. Oder die nette Familie auf dem Markt, die uns Demian abnahmen, damit wir in Ruhe essen konnten. Ja, wir fühlen uns hier rundum wohl. Gerade deswegen verfliegt hier die Zeit wie im Fluge.

Nicht ohne schlechtes Gewissen.

Also verlängerten wir unser Bungalow wieder um ein paar Tage und dann wieder.. Jedoch nicht immer mit einem guten Gefühl. Warum? Weil es gar nicht so einfach ist, den inneren Zwang, weiterzuziehen, abzulegen. Er sitzt fest im Kopf und flüstert „Aber hier erlebt ihr doch nicht so viel Neues! Ihr könntet neue Orte besuchen, vielleicht ist es da auch ganz toll? Überlegt es euch!“. Und das haben wir. Jedes Mal aufs Neue haben wir geschaut, wohin wir als nächstes reisen könnten. Wir durchsuchten das Internet nach schönen Plätzen und informierten uns über die Anreise. Ja, vielleicht sollten wir endlich weiter? Vielleicht reicht es nun wirklich schon, sonst sitzen wir bis zum Sommer noch hier! Aber wir blieben. Und wir verlängerten wieder. Und wir waren jedes Mal glücklich, dass wir noch weitere Tage hier auf dieser Insel haben. Dieses Hin und Her, das ständige Hadern mit sich selbst, ist anstrengend. Immerhin haben wir die für uns richtige Entscheidung getroffen und sind nicht weitergereist, nur um „weiterzukommen“. Wir haben auf unser Herz gehört und sofort gespürt, dass wir richtig handeln. Aber für die Zukunft müssen wir noch viel mehr daran arbeiten, uns ohne schlechtes Gefühl treiben lassen zu können – und das hat nicht immer etwas mit Vorankommen zu tun, sondern ganz oft auch damit, an einem Ort zu verweilen, weil man sich wohl fühlt.

Reisen ist so viel mehr als nur SEHEN. Es ist eine Reise zu uns SELBST.

Uns geht es darum, glücklich und ausgeglichen zu sein, im Einklang mit unserer Gefühlswelt. Uns hat 1 Jahr Weltreise, in dem wir wirklich oft einen Ortswechsel hatten, sehr geprägt und wir müssen lernen zuzulassen, dass es vollkommen okay ist, an einem Ort länger zu bleiben und ein Stück Alltag auf der Reise einkehren zu lassen. Denn wenn wir immer nur Ausschau nach etwas Neuem halten, entgehen uns vielleicht die kleinen Freuden und Glücksmomente, die wir tagtäglich erleben, während wir einfach nur hier sind – hier leben, den Menschen nah sind und die Umgebung viel intensiver wahrnehmen.

Unsere Reise ist in allererstes Linie eine Reise zu uns selbst. Wir entwickeln uns weiter – als Paar, als Eltern, jeder für sich. Also sind wir auf dem richtigen Weg, ganz egal, ob wir nun 2 Tage oder 2 Monate ein einem Ort verweilen. Es muss sich richtig anfühlen. Das ist ohnehin unsere Lebenseinstellung, warum also auch nicht hier und jetzt?

Während ich diesen Beitrag schreibe, sind meine Jungs irgendwo da draussen auf der Insel und schauen den Flugzeugen beim Starten und Landen zu (scheint so ein Männer-Ding zu sein). Später gehen wir einen Kaffee trinken, den obligatorischen super-duper-leckeren Donut dazu essen und danach geht es wohl einige Stunden an den Strand. Gegen Abend schnappen wir uns den Roller und fahren zu irgendeinem Markt, auf dem wir uns die Bäuche vollschlagen. Ja, das ist Alltag. Reisealltag. Und den genießen wir hier, bis es für uns Zeit ist zu gehen. Und das passiert, wenn das Herz sich mit dem Kopf einig wird und sagt „Ja, nun bin ich auch bereit für die Weiterreise und für Neues.“

Dein airbnb Gutschein


AirBnB

Empfehlungen


Reise Gadgets Bild

Ähnliche Beiträge

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.