Vom Suchen und Trauern um den Ehering – An manchen Dingen hängt man eben doch

von | Mrz 31, 2017 | Familie, Mindset, Partnerschaft | 4 Kommentare

Blick über Jaisalmer Indien

Collect moments, not things. Eigentlich würde ich dieses wunderbare Motto gern abwandeln und sagen: Cherish moments, not things. Wertschätze Glücksmomente, keine Gegenstände. Ich meine, kennt ihr das Gefühl, bestimmten Dingen eine größere Bedeutung zuzuschreiben als anderen? Lieblingskette, Lieblingstasche, ja sogar mit dem Lieblingsteddy geht es schon ganz früh in der Kindheit los. Aber während ein Kind es einfach noch nicht kontrollieren kann, können wir Erwachsenen bewusst darauf achten, wem oder was wir besondere Wertschätzung schenken. Und so abgedroschen es klingt, aber die wichtigsten Dinge im Leben sind eben keine „Dinge“. Gesundheit, Selbstliebe, Nächstenliebe. Die Fähigkeit, das Leben in vollen Zügen zu genießen und jeden Tag Glücksmomente zu schaffen, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ja, DARAUF kommt es an.

Soweit die Theorie.

Und dann verliert Steffen vor einigen Tagen seinen Ehering. Und meine Fassade aus „Ich schenke Gegenständen keine Beachtung“ bröckelt.

Ihm ist es gar nicht direkt aufgefallen. Denn noch nie hat er seinen Ring suchen müssen – entweder er war am Finger oder auf dem Tisch. Normalerweise bin ich diejenige, die wirklich oft durchs Zimmer rennt, panisch alles umherwirbelt und sich im Kopf schon ausmalt, dass der Ehering endgültig weg ist. Wie durch Zauberhand finde ich ihn aber dann tatsächlich immer.
Diesmal haben wir durch den Umzug in eine neue Unterkunft alles in Taschen gepackt, jede Ecke des Zimmers mehrmals abgesucht, Möbel verrückt und und und. Der Ring blieb verschollen.
Als klar war, dass er definitiv nicht im Zimmer ist, begaben wir uns außerhalb auf die Suche. In Restaurants, an Plätzen, wo wir uns die Tage davor aufgehalten haben. Ohne Erfolg. Keiner hatte einen Ring gefunden. Und auch Steffen hatte keine Idee, wo er ihn theoretisch hätte vom Finger abziehen können. Denn das tut er nie. Bis auf dieses eine Mal, wahrscheinlich.

Ein Stück unserer Lovestory ist nun irgendwo in Ubud…

Und je mehr mir bewusst wurde, dass er wohl nicht mehr auftaucht, desto trauriger wurde ich. Ja, sogar einige Tränen sind gekullert. Zwar ist es Steffens Ring, der verloren ging, aber das machte auch meinen irgendwie zur „Witwe“. Ein Ehering ohne das passende Gegenstück fühlt sich an der Hand nun irgendwie einsam und falsch an. Der materielle Wert des Rings? 4,50 Euro – für beide haben wir damals 9Euro gezahlt. Gekauft in Bangkok, als wir ganz frisch unsere Weltreise vor 3 Jahren begonnen haben. Wenige Wochen später würden wir uns mit diesen Ringen am Strand von Koh Samui Frau zieht Mann Ehering an das Ja-Wort geben. Und danach die Welt bereisen, als Ehepaar.
Es war also nur der persönliche Wert, der mir so wichtig war. Es waren Ringe, die mit uns gereist sind. Die überall dabei waren die letzten 3 Jahre – bei wichtigen Ereignissen, bei lebensweisenden Entscheidungen, einfach bei allem. Sie passten vom ersten Tag an wie angegossen, so dass man sie am Finger überhaupt nicht bemerkt hat. So als würden sie direkt zeigen wollen: „Hey, ihr zwei, ihr gehört zueinander.“

Ja, wenn man es so sieht, kann man ewig trauern. Warum? Weil man aus einem Gegenstand – in dem Fall einem Ring – auf diese Art und Weise viel mehr macht, als er eigentlich ist. Man gibt ihm einen Stück Persönlichkeit und macht ihn zu einem wichtigen Begleiter. Ich habe Fotos angeguckt, auf denen der Ring zu sehen ist und wurde wehmütig.. „Da war er noch da…“ ging mir traurig durch den Kopf.

Und schon als ich da saß und noch um dieses kleine Stück Silber trauerte, war mir bewusst, warum es passiert ist. Warum dieser Ring auf wirklich unerklärliche Art und Weise verschwand. Es war wieder eine Lektion des Lebens. Und zwar nicht mal für Steffen, sondern viel mehr für mich.

Das Leben ist die beste Schule. Und das war wieder eine Lektion.

Wir alle haben bestimmte Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen, mit denen wir zu kämpfen haben. Glücklich ist der, der diese kennt und sich bewusst damit auseinander setzen kann. Der in sich gehen und daran arbeiten kann, seine Emotionen und Reaktionen auf bestimmte Situationen und Ereignisse, zu kontrollieren. Und auch ich kenne diesen Schatten, der mich manchmal einholt: Ich tue mich schwer damit, Dinge zu verlieren. Klingt komisch, ist aber so. Ich hasse es nicht nur, nein, es wurmt mich auch richtig. Es ist auch nicht nur „drüber ärgern“, mich verfolgt es teilweise. Ja, es raubt mir die gute Laune.
Irgendwie fällt es mir wahnsinnig schwer, mich von bestimmten Dingen zu lösen. Und das sind meistens Gegenstände, denen ich einfach zu viel Bedeutung beimesse. Ich selbst habe schon einmal einen Ring verloren. Den Partnerring, den Steffen mir schenkte, als wir gerade mal 17 Jahre alt waren. Fünf Jahre später habe ich ihn in der Uni liegen lassen. Oh, was sind da Tränen geflossen. Ich glaube, ich war tagelang so richtig traurig. Mein Ring, der doch ein so wichtiges Erinnerungsstück war!
Und ähnlich ging es mir auch dieses Mal, wenn auch definitiv mit deutlich weniger Drama. Man lernt eben doch dazu und wird klüger – zum Glück!

Mit ein wenig Abstand kommt die Dankbarkeit.

Und jetzt, nachdem einige Tage vergangen sind und ich mich mit diesem Verlust auseinander gesetzt habe, bin ich sogar dankbar für diese Erfahrung. Dankbar, dass ich mich wieder mit mir selbst auseinander setzen musste, um wieder ein Stück mehr an mir arbeiten zu können. Ich weiss, dass das tatsächlich passieren musste, um mich wieder daran zu erinnern, was wichtig ist. Wofür man dankbar sein MUSS und was wirklich zählt. Wofür stand denn dieser Ring? Was war seine Aufgabe? Eigentlich nur die, unsere Bindung zueinander zu symbolisieren und diese nach außen sichtbar zu machen. Wir sind ein Ehepaar. Wir gehören zusammen. Das war’s. Wir haben die Ringe nicht gebraucht, um UNS gegenseitig daran erinnern zu müssen. Mit dem Ring am Finger haben wir uns nicht mehr oder weniger geliebt. Wir sind jetzt, so wie wir hier sitzen, ein wahnsinnig glückliches Paar. Wir sind nach wie vor verliebt! Nach bald 14 Jahren! Wow! Ich könnte platzen vor Stolz, wenn ich mir das mal auf der Zunge zergehen lasse. Ich bin so stolz darauf, wie wir unsere Liebe über all die Jahre nicht nur erhalten, sondern immer noch weiter ausbauen. Wir haben diese Leichtigkeit im Umgang miteinander, diese Verliebtheit und diese unglaubliche Anziehung. Um mich daran zu erinnern, muss ich einfach nur meinen Mann anschauen. Und dann meinen Sohn. Und schlagartig überkommt mich dieses Gefühl, wie EGAL ein Ring ist! Wie egal jeder Gegenstand dieser Welt ist! Und wir glücklich wir uns schätzen können. Dankbarkeit durchströmt meinen ganzen Körper und meine Seele. Ich liebe mein Leben.

Eigentlich, wenn man es sich genau überlegt, brauchen wir nicht einmal einen Ring am Finger. Aber ja, wir finden es einfach schön einen zu tragen. Daher wird es wieder einen neuen Ring für Steffen geben und auch ich werde entweder meinen jetzigen, „verwitweten“ Ring mit einem anderen erweitern oder ebenfalls komplett austauschen. Und wir werden sie uns an irgendeinem schönen Tag aussuchen, vielleicht hier auf Bali, bei einem gemütlichen Abend auf unsere Liebe anstoßen und uns die Ringe anziehen. Und es werden wieder keine teuren werden, denn wer weiss, wann einem von uns wieder einer abhanden kommt?! Dann gibt es eben das nächste Exemplar… 😉 Und jedes Ringpaar wird immer seine besondere Geschichte haben! Im Laufe unserer Ehe können wir von mir aus ein Duzend verschiedener Eheringe sammeln! Unsere Liebe wird keiner davon beeinflussen. Alles, was wichtig und entscheidend ist, tragen wir in uns und das können wir zum Glück nicht verlegen, vergessen oder verlieren.

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4 Kommentare

  1. Schön geschrieben und so wahr! Ich hänge so überhaupt nicht an Gegenständen muss ich sagen. Ich musste meinen Ehering in der der letzten Schwangerschaft ablegen, weil Finger zu dick, das erste Mal in allen vier zi Ende getragenen Schwangerschaft u. das war schon komisch den Finger so “nackt” zu sehen , nach 17Jahren.Ich habe meinen Ring noch nie verloren, mein Mann dafür schon öfter, aber bisher immer wieder gefunden.

    LG aus dem schönen Norwegen
    Ina

    Antworten
    • Hallo Ina,
      vielen Dank! Ja, in der Schwangerschaft hat meiner auch nicht mehr gepasst. Aber immerhin habe ich ihn sicher aufbewahrt :D.
      Hach, wär schon schön, wenn der noch zufällig auftaucht.. 🙂
      Liebe Grüße nach Norwegen!

  2. Ich habe, wie schon bei Facebook geschrieben, meinen Ring beim Enten füttern mit weggeschmissen…
    Fehlt mir der Ring? Eigentlich nicht – es ist genau, wie du beschreibst. Anfangs traurig aber jetzt bin ich total entspannt. Vielleicht, aber nur vielleicht besorgen wir irgendwann neue, vielleicht zur silbernen Hochzeit?

    Antworten
    • Huhu! 🙂 Ja, anfangs kann man gar nicht anders, als traurig zu sein. Aber an sich… Gibt so viele Ringe, umso besser, wenn man sich wieder einen neuen aussuchen kann :-P.
      Viele Grüße

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