Vom Elternsein verschlungen – Zweisamkeit auf Weltreise mit Kind

von | Apr 23, 2017 | Baby & Kind, Familie, Partnerschaft | 0 Kommentare

Zwei Holzherzen im Strand

Wieder 7Uhr morgens, wieder mitten aus dem Schlaf gerissen, wieder mehrmals die Nacht wach gewesen. Ich muss unwillkürlich an die Frage denken, die mir die Oma vom Haus gegenüber stellte, als Demian ein halbes Jahr alt war: „Schläft‘s denn schon durch?“. Man hätte meinen Blick sehen sollen. Nein, das tat „es“ nicht. Und das tut es heute, ein Jahr später immer noch nicht. Demian machen die Stillstopps (jetzt mal ernsthaft, “es” dürfte ruhig ab und an durchschlafen!) wohl deutlich weniger aus, denn er sieht um 7Uhr morgens ziemlich fit aus, was man von uns nicht gerade behaupten kann.

Die schleichende Gefahr: nur noch „Mama und Papa“ sein

Es beginnt wieder ein Tag, der all den anderen in einem Punkt durchgehend gleichen wird: Es wird sich auch heute alles um unser Kind drehen. Auch heute werden wir hoffen, dass er beim Frühstück ein bisschen was isst (das ist momentan eher ein Glücksfall – Brust schmeckt nach wie vor vorzüglich). Danach werden wir uns überlegen, womit wir einen quirligen „ich-muss-überall-hin-und-alles-anfassen“-Fast-Anderthalbjährigen beschäftigen, damit er sich so richtig auspowern kann. Und wie wir das am besten damit verbindet, dass wir auch noch etwas arbeiten können. Während er mittags seinen Mittagsschlaf von rund 30 Minuten macht (man munkelt, es gibt Kinder, die 2-3h Mittagsschlaf halten. Ist doch eine Legende, oder?), werden wir ebenfalls recht k.o. daneben liegen und die Ruhe genießen. Danach ist wieder Halli-Galli angesagt, bis es iiiirgendwann Richtung Abend geht. Endspurt. Das Tagesziel, es irgendwie bis 20Uhr zu schaffen, wird immer greifbarer.

Und wenn der Rabauke dann endlich ins Land der Träume reist, wäre theoretisch unsere Zeit angebrochen. Zeit zu zweit. Zeit, die wir immer bewusst miteinander verbracht haben. Aber in Moment fehlt es uns an Energie, diese richtig zu nutzen. „Ausgelaugt“ trifft es wohl auf den Punkt. Und so pendeln wir irgendwie zwischen Elternsein & Müdigkeit.

24 Stunden am Tag Familienzeit. Und die Zweisamkeit?

Seit Reisebeginn, also seit bald 4 Monaten, verbringen wir fast die kompletten 24h am Tag zusammen. Fluch oder Segen? In unserem Fall zum Glück deutlich mehr Segen, wenn auch nicht durchgehend. Selbst wenn wir Momente haben, in denen wir den anderen am liebsten gegen die Wand klatschen würden, so erfüllt uns dieses intensive Familienleben voll und ganz. Die Möglichkeit, beide sofort auf die Bedürfnisse unseres Kindes reagieren und eingehen zu können, macht uns wahnsinnig glücklich. Demian komplett in den Mittelpunkt stellen zu können, unseren Tag nach ihm zu richten und ihm die größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken – gegen nichts auf der Welt würden wir dieses Privileg wieder eintauschen wollen. Aber jede Medaille hat eine Kehrseite und in Moment hadern wir mit der fehlenden Zweisamkeit. Mit der fehlenden Zeit, aber auch mit der fehlenden Energie für uns nur als Paar.

Herausforderung Kleinkind

Demian hat sich in den letzten Wochen verändert. Er hat einen Entwicklungsschub durchgemacht und ist nun endgültig in der Phase angekommen, in der er uns wesentlich mehr fordert als noch zu Beginn unserer Reise. Er entdeckt seinen Willen in vollen Zügen. Die Schwierigkeit dabei? Wir finden es großartig! Es raubt uns teilweise den letzten Nerv, aber dennoch ist es wunderbar! Denn unser Sohn wird mutig, neugierig, selbstbewusst und einen Hauch von selbstständig. Und genau deswegen unterstützen wir ihn vollkommen dabei. Viele Neins gibt es bei uns nicht, aus Überzeugung. Er soll die Welt entdecken, so viel wie möglich ausprobieren und tun dürfen, um sein Selbstvertrauen aufzubauen. Und das ist manchmal eben fast unerträglich anstrengend! Dazu kommt, dass er nach wie vor uns beide sehr in seine Entdeckungstouren involviert, ständig unsere Beteiligung einfordert, viel mit uns aus seine Art und Weise kommuniziert und auch sehr viel unterhalten werden möchte.

Ich spreche sowohl für mich als auch für Steffen, wenn ich sage, dass diese Umstellung von „liebes, zufriedenes Baby“ zu „rebellisches, wildes, forderndes (wenn auch nach wie vor liebes) Kleinkind“ noch ein gutes Stück an uns zehrt. Es ist sowohl nervlich als auch körperlich gerade eine Herausforderung und um ehrlich zu sein, sind wir am Ende des Tages meistens platt. Erschöpft.

Partnerschaft vs. Elternrolle – keine Konkurrenz, sondern ein Zusammenspiel

Wir wissen aber sehr gut um die Wichtigkeit der Zweisamkeit. Zeit nur für uns, Ehemann und Ehefrau. Die Elternrolle darf niemals die Partnerschaft ersetzen. Vielmehr müssen die Zwei parallel existieren. Sich gegenseitig stützen, Kraft geben und wenn nötig auch mal eine Fluchtmöglichkeit schaffen. Nach einem stressigen und anstrengenden Tag, an dem mir als Mama die Decke auf den Kopf fällt, gibt es für mich nichts schöneres, als den Abend mit meinem Mann ausklingen zu lassen. Am besten mit einem Glas Wein (oh je, wie lange ist das nun her?!)! Da bin ich ganz bewusst für wenige Stunden keine Mama, sondern NUR Frau. Ehefrau um genau zu sein. Diese wenigen Stunden, in denen unser Sohn abends bereits vor uns schläft, waren immer unsere eigene kleine Welt. Und wir haben es dadurch nie aus den Augen verloren, dass wir füreinander mehr sind als Mama und Papa unseres Kindes.
Wenn man es richtig anstellt, dann bringt die Elternrolle die Beziehung zweier Menschen auf ein ganz neues, unglaublich erfüllendes und so viel intensiveres Level! Ein Kind ist die Krönung – es verbindet, stärkt und setzt Glücksgefühle frei, die man nur versteht, wenn man dessen Elternteil ist. Voraussetzung dafür ist aber eine definitiv einige glückliche Partnerschaft. Ich hätte nie gedacht, dass es etwas gibt, das Steffen und mich nach (zu dem Zeitpunkt) 12 Jahren glücklicher Beziehung noch so sehr zusammenwachsen lässt. Denn hey, wir waren so schon ein Herz und eine Seele! Klingt kitschig? Ich möchte damit nur unterstreichen, dass wir vor Demians Geburt eine sehr innige, tiefgründige und glückliche Beziehung führten. Mit deutlich mehr Höhen als Tiefen. Aber als wir dann Eltern wurden, wow, DAS hat uns direkt in den 7. Himmel gehoben.

Und auf Wolke 7 schweben wir auch heute noch. Trotz der momentanen Erschöpfung und der wenigen Zeit, die wir wirklich intensiv nur zu zweit verbringen. Die Zweisamkeit bleibt gerade auf der Strecke, ja. Das ist uns bewusst. Solche Phasen gibt es, dank der Elternrolle, die wie so oft frech in den Vordergrund hüpft. Aber das ist okay. Denn wir wissen damit umzugehen. Und es werden bessere Zeiten kommen, in denen wir wieder mehr Luft und vor allem Energie nur für uns haben werden. Und darauf freue mich jetzt schon unglaublich!

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