Unsere Stillzeit – so ganz anders als gedacht!

von | Mai 25, 2017 | Baby & Kind, Familie | 4 Kommentare

Baby bei Mama in der Natur

Während der Schwangerschaft hatte ich die Illusion, ein halbes Jahr zu stillen, würde ja eigentlich ausreichen. Ich naives, unerfahrenes, kinderloses Ding. Ich kann gar nicht wirklich sagen, warum ich mir da von Vornherein eine Grenze setzen wollte. Habe ich es mir damals stressig oder unbequem vorgestellt? Ging es um die eigene Freiheit? Vielleicht aber auch mehr um den eigenen – MEINEN- Körper, den ich schon während meiner (übrigens sehr schönen und unkomplizierten) Schwangerschaft unbewusst wieder ganz für mich haben wollte? Vielleicht waren es aber auch all die todschicken, gepflegten Mamas aus dem Fernsehen, die mit ihren perfekt lackierten Nägeln und ideal sitzenden Frisuren ihre perfekt glücklichen Babys die Flasche hinhielten und alle dabei strahlten. Eine stillende Mutter war in meiner Fantasie deutlich mitgenommener. Ausgelaugt. Wort-wörtlich ausgesaugt. Ja, es war wohl eine Mischung aus allem, was mich diese magische Grenze von ca. 6 Monaten setzen ließ. Danach würde ich abstillen. Ganz sicher.

Beikost? Hmmm… Nö.

Das Schöne an irgendwelchen künstlich gesetzten Grenzen ist die Tatsache, dass man sie überdenken kann. Die Stillbeziehung zwischen Demian und mir klappte von Beginn an hervorragend. Wir kannten keine Trinkschwierigkeiten, keine Milchknappheit, keine Milchstaus. Es lief wie am Schnürchen. Die Monate verstrichen und nach den sechs von mir ursprünglich „festgelegten“ Stillmonaten, war bei Demian an nichts anderes als Milch zu denken. Er interessierte sich überhaupt nicht für unser Essen oder Brei, entwickelte sich prächtig und … hing an der Brust. So ging es auch noch 3 Monate weiter. Bis 9 Monate stillte ich Demian komplett voll – nicht ein Brocken Essen oder Löffel Brei ist bis dahin in meinem Kind gelandet. Warum nicht? Er hatte kein Interesse. Absolut nicht. Ich hörte von anderen Mamas immer, wie ihre Zwerge andere Nahrung regelrecht einforderten. Angeboten haben wir Demian natürlich etwas, aber es ließ ihn kalt. Vom 9. bis ca. 13. Lebensmonat stillte ich nach wie vor zu, geschätzt, 90%. Das Bisschen, was Demian gegessen hat, war Obst. Banane, Mango.. Alles, was weich und natürlich süß und lecker war. So sind wir auch auf unsere Weltreise gestartet – mit einem fast vollgestillten Einjährigen.

Stillen auf Reise – Praktischer geht’s nicht!

Etwas ratlos sind wir nach Thailand geflogen, als Demian 13 Monate alt war. Wie würde es wohl weiterlaufen? Das Kind will nichts ausser Brust während Gleichaltrige seit einer gefühlten Ewigkeit ALLES vom Tisch mitessen! Aber ich erinnere an meinen Beitrag von vor ein paar Wochen: Spätzünder? Oder: Hilfe, die Musterbabys aus den Ratgebern entwickeln sich schneller! – Kinder sind unterschiedlich! Genau deswegen hat es uns auch absolut nicht aus der Bahn gebracht, dass wir weit und breit kein anderes Kind kannten, das in dem Alter noch so wenig Beikost zuließ. Irgendwann würde die Lust am Essen schon noch kommen und solange das noch nicht so war, musste ich mich wohl damit zufrieden geben, dass ich einfach furchtbar leckere Milch produzierte… :-D. Und natürlich muss man anmerken, dass Stillen auf einer Reise wahnsinnig praktisch ist! Immer dabei, immer wohltemperiert, immer sofort zur Stelle und, ganz wichtig, schmeckte (und beruhigte!) einfach IMMER! Das war so eine Erleichterung. Egal ob auf Überfahrten, in Bus, am Strand etc. – Demian war immer bestens versorgt.

Und dann war es soweit

Das ist jetzt 4 Monate her und mittlerweile isst Demian mit seinen 1,5 Jahren gern das, was bei Mama und Papa so auf dem Tisch rumfährt. Noch lange nicht alles, aber er zeigt großes Interesse und probiert gern. In Asien ging es mit leckeren reifen Früchten los, dicht gefolgt von Reis – Demians Leibspeise noch heute. Da war sie auf einmal da, die Lust, Neues zu schmecken! Und wir freuten uns, oh, und wie wir uns freuten! Insgeheim habe ich mich mit der Zeit doch sehr darauf gefreut, mein Kind auch mal ohne Brust satt zu kriegen. Denn ein wenig ausgelaugt war ich durch das intensive und häufige Stillen tatsächlich. Es wurde Zeit für eine Veränderung.

Baby mit Melone

Eine tolle Zeit neigt sich dem Ende..

Seit einigen Wochen reduzieren wir die Milchmahlzeiten, was auch sehr gut klappt. Dennoch wird man als Mama etwas wehmütig.. Man gewöhnt sich an diese Nähe zum Kind. Stillen gehört seit 1,5 Jahre in unser tägliches Leben und obwohl ich es vor der Geburt niemals hätte vorstellen können – aber es ist so so so schön! Diese besondere und einmalige Nähe, die ich nie wieder zu meinem Kind haben werde. Ich habe mich auf das „Abenteuer Stillen“ eingelassen, weil ich meinem Sohn etwas Gutes tun wollte. Weil ich der Überzeugung war und bin, dass Muttermilch das Erste und Beste ist, was ich ihm von Beginn an auf seinen Weg geben konnte. Aber dass es eine so tolle Erfahrung für mich werden würde, nein, daran habe ich nie auch nur einen Gedanken verschwendet. Es war in meinen Augen „Mittel zum Zweck“ und nun im Nachhinein? Im Nachhinein ist Stillen pure Liebe. Nähe. Eine ganz besondere Zweisamkeit mit deinem Baby. Und irgendwo Selbstaufgabe, zumindest zu einem Teil. Du gehörst nie komplett dir selbst. Ein Teil von dir bleibt deinem Kind vorenthalten, das du ernährst. Es ist verrückt. Es ist so gewaltig und mächtig.

Nicht immer ist es ein Segen, nein. Ich hatte Tage und Nächte, an denen es mir zu viel wurde. An denen ich keine Lust und keine Kraft mehr hatte. Ich habe mich nach einem Fläschchen gesehnt, das ich dann am liebsten Steffen in die Hand gedrückt und mich einfach für 24h weggebeamt hätte. Und wie gern hätte ich mal ein Wein getrunken! Oder mal ein Cocktail abends am Strand! Und dann gab es wiederum Momente, wenn Demian kränklich war und Stillen wieder komplett in den Vordergrund rückte, in denen ich unfassbar dankbar war, dass ich die Möglichkeit habe, ihn so bestmöglich bei der Genesung zu unterstützen. Niemals hatte ich den ernsthaften Gedanken, abstillen zu wollen. Es fühlte sich gut an, wie es war. Mit all den Höhen und Tiefen.

Unsere Stillbeziehung neigt sich nun dem Ende. Nicht von heute auf morgen, aber die Veränderung kam nun doch recht schlagartig. Demian kommt nachts ohne Brust aus und auch tagsüber stille ich ihn nur noch morgens und abends. Das wäre bis vor wenigen Wochen noch absolut undenkbar gewesen. Aber wie man sieht, kann es auch sehr schnell gehen. Es fühlt sich dennoch richtig an. Die Zeit ist reif, wie man so schön sagt. Und ich bin dankbar, dass wir selbst das Ende unserer Stillzeit bestimmen. Nur er und ich. Keine anderen Umstände, keine Einflüsse von außen. Es ist ein langsamer und entspannter Abschied von einer wunderschönen Zeit, die ich nie vergessen werde und die mich definitiv klüger gemacht hat: Lass alles auf dich zukommen. Es kommt womöglich anders, als du denkst. 😉

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4 Kommentare

  1. Ulli

    Ach ich kann dem nur so zustimmen!! Meinen ersten Sohn hab ich “nur” 13 Monate gestillt, obwohl ich anfangs dachte, der wird nie aufhören zu nuckeln, so gern hat er es gemacht. Aber er wollte essen (wir haben breifrei gemacht), das war und ist einfach “sein Ding”. Mit einem Jahr hat er nur noch in der früh und am Abend getrunken, und als ich zu arbeiten begann, hat das in der Früh nach 2 Tagen aufgehört. Und abends kam ich einmal später heim, nur 15 Minuten, aber er liess sich von Papa ins Bett bringen und hat nie wieder nach der Brust verlangt. Ich war todtraurig, hatte ich ja nicht gewusst, dass unser letztes Mal stillen das letzte war!
    Jetzt im Nachhinein betrachtet war das natürlich alles ideal und so wie man es sich wünscht, ohne Druck oder Zwang von einer der beiden Seiten.

    Meine kleine Tochter ist jetzt 10 Monate alt und ein Ende der Stillzeit ist nicht in Sicht! Sie ist am Essen so gar nicht interessiert, und auch nachts nuckelt sie stündlich munter drauflos, seit ihrer Geburt. Mal sehen, wie das hier weiter geht!
    Deine Geschichte macht mir jedenfalls Mut, ich dachte schon, wenn ich sie weiterhin lassen wie sie möchte nuckelt sie mit 3 Jahren noch (gibt ja auch solche Kinder)… mal sehen. Mein Mann meint immer ich will ja gar nicht, dass sie aufhört, weil ich beim Oliver damals so geweint hab als er nicht mehr wollte, hihi.

    Freut mich jedenfalls, dass ihr das alles so gut hinbekommen habt!! Von “außen” sieht es aus, als macht ihr sehr viel richtig mit eurem kleinen Demian (wir machen es jedenfalls vieles ähnlich :-)) Liebe Grüße, Ulli

    Antworten
    • Alina

      Hallo Ulli,
      Danke für deine lieben Worte! Ich bin selbst ganz erstaunt, wie es auf einmal geklappt hat. Steffen und ich haben noch in Bali Scherze gemacht, dass Demian erst von der Brust ablässt, wenn es ihm vor seinen Freunden peinlich sein wird… :D.
      Das hat mir auch wieder gezeigt, dass es wirklich trotz allem und ohne Anzeichen sehr schnell gehen kann und ich bin froh, dass ich mir da nie den Stress gemacht habe, sondern alles einfach so nahm wie es kam. Das Kind wollte nun mal nichts anderes essen – auch gut. Die Kleinen wissen eh, was gut für sie ist! 🙂

      Aber “nachts stündlich” ist natürlich wahnsinnig anstrengend! Solche Phasen hatten wir sehr selten und selbst da ging ich echt schon am Zahnfleisch und dachte nachts “mir egal, ich stille ab” :-D. Zum Morgen waren die Gedanken zum Glück wieder in weiter Ferne!

      Wünsche euch alles alles Liebe! Ich freue mich auch schon wieder drauf, irgendwann wieder einen kleinen Knopf zu stillen! <3

  2. Kruemelina

    Schön geschrieben und wunderschön, dass du so entspannt und locker mit dem Abstillen umgehst. Wir sind noch ganz am Anfang, aber Stillen ist jetzt schon nicht mehr wegzudenken, noch nicht 😉
    Grüße vom Krümelblog
    http://www.kruemel.blog

    Antworten
    • Alina

      Huhu und vielen Dank! Es hat bei uns wirklich so wunderbar funktioniert. Ich hätte es selbst nie für möglich gehalten. Und soll ich dir mal was sagen, mittlerweile vermisse ich es sogar ab und zu ..! <3
      Wünsche euch noch eine wunderbare Stillzeit! Diese innigen Momente sind sooo besonders!
      Liebe Grüße

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